Yoga und Leistungssport

Aktualisiert: 4. Sept 2019


"Wozu denn Yoga?"

"Das ist gar kein Sport."

"Das machen doch nur Frauen."

"So ein bisschen Beweglichkeit trainieren.... das braucht man doch nicht um schnell oder stark zu sein."


Als Ruderer bin ich hauptsächlich solchen Aussagen begegnet. Auch wenn mittlerweile die Fußball Frauen- und Herren- Nationalmannschaften während den großen Turnieren Yogalehrer in ihrem Trainerstab dabei haben und die täglichen Yogaeinheiten mit auf dem Trainingsplan stehen, spielt der Yoga im Leistungssport eine absolut untergeordnete Bedeutung. Entsprechend bin ich auch der einzige aus meinem Sportlerkreis der Yoga in seinen Trainingsalltag integriert. Dabei sollten doch gerade die Leistungssportler sich mit den Lehren geistiger und körperlicher Praktiken auseinandersetzen und wissen, dass viel mehr dazugehört als stumpfes Kilometer abspulen. Wenn man jeden Tag trainiert, an manchen Tagen zwei Einheiten hinlegt, um ein guter Ruderer zu werden, wird man sehr schnell ‘’verroht’’ und denkt nur noch in den Kategorien schneller, höher, weiter. Die Folge ist ein ungesunder Leistungswahn, der einem leicht vergessen macht, dass es einen Ausgleich braucht. Der Körper wird als Maschine angesehen und überdreht.

Im Yoga lerne ich immer wieder aufs Neue, Erwartungen und Ziele abzulegen und achtsam meinen Körper wahrzunehmen, nach den Phasen der Anspannung und Kraft, der Leistungserbringung bewusst loszulassen und zu entspannen, ganz bewusst zu regenerieren.


Welch Ironie, da schindet man sich Tag ein Tag, arbeitet ganz intensiv mit seinem Körper und kriegt doch immer weniger mit was mit einem los ist. Erst die stillen Momente auf der Matte hatten dazu geführt, dass ich meinem Körper zugehört habe, frei von jedem Druck irgendeine Zeit erfüllen zu müssen oder die Kilometer abzuarbeiten. Die regelmäßige Yogapraxis hat mir geholfen, endlich richtig zu entspannen und lockerer zu werden, das finden mittlerweile auch meine Faszien großartig. Die waren natürlich durch den regelmäßigen Leistungs-Stress richtiggehend verklebt, so wie bei vielen Athleten die zu wenig Zeit mit der ‘’Wartung’’ ihres Körpers verbringen.

Beim Yoga gibt es keine schlechte Leistung. Vielleicht wäre es besser gar nicht nicht von Leistung zu sprechen. Egal wo man ist und was man am Tag praktiziert, es ist gut so wie es ist. Versuche ich zu kämpfen um besonders tief in irgendeine Asana zu gelangen und denke nur noch ‘’wann ist es endlich vorbei, ich kann nicht mehr’’ verfehle ich den Sinn meines Yogas.


Ich möchte meinen Körper erkunden und verstehen, vielleicht auch die Grenzen kennenlernen, aber ihn sicher nicht kaputt machen. Als ich mit dem Yoga anfing, war es echt schwer mich davon zu verabschieden der Beste sein zu wollen, aufhören alles und jeden zu bewerten, vor allem mich selbst. Mit der Zeit geht das immer besser und im Ergebnis erfahre ich Ruhe und Gelassenheit, letztlich ein ganz anderes Bewusstsein für meinen Sport als es die meisten meiner Sportsfreunde besitzen. Was bringen diese Erkenntnisse aber einem Athleten? Stress beeinflusst die Leistung negativ - so viel steht fest - die Gesundheit leidet darunter und die Stimmung auch. Man macht mehr Fehler. Yoga hilft sich auf ein Ziel zu fokussieren, seine Kraft zu bündeln, innere Stabilität und Resilienz zu entwickeln.


Die bewusste Wahrnehmung meines Körpers im Raum hat mir ebenfalls geholfen, bessere Leistungen zu erbringen. Zu wissen, wie die äußeren Bedingungen auf die Muskulatur einwirken und mit einer guten Sensibilität in der Lage sein alles aus einem herauszuholen wird jedem Sportler helfen.Yoga ist definitiv eine sinnvolle Ergänzung des Trainingsplans eines Leistungssportler. Man lernt sich selbst auf allen Ebenen besser kennen und als netter Nebeneffekt steigt dann auch noch die Leistungsfähigkeit (ohne es gezielt zu verfolgen, dann doch). Nebenbei hat man auf der Matte immer wieder wertvolle Erkenntnisse.


So kann man dann als Krieger sich perfekt vorbereitet in den nächsten Wettkampf stürzen - achtsam natürlich.

Raffaele


Über den Autor:

Raffaele ist 20 Jahre alt und betreibt seit nunmehr 5 Jahren das Rudern als Leistungssport bei der Hellas Offenbach: Ein kleiner aber feiner Ruderverein, der auch von den Nationalruderern aus dem Bundesstützpunkt in Frankfurt häufig zum Training genutzt wird.

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